∞ Lieblingszitat ∞

"Jene, welche die Geschichte missachten, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen."

-"The Iron Thorn - Flüsternde Magie" von Caitlin Kittredge

Freitag, 27. März 2015

Autoren kennenlernen: Britta Boerdner




Wie heißen Sie und woher kommen Sie?

Mein Name ist Britta Boerdner, ich wohne in Frankfurt. Meine Geburtsstadt ist Fulda, doch meine Eltern sind dort weggezogen, als ich noch ganz klein war. Frankfurt ist mein Lebensmittelpunkt, hier habe ich vieles - nicht alles - von dem, was ich brauche.

Wie sind Sie zum Bücher schreiben gekommen?

Übers Lesen. Ich habe schon als Kind wahnsinnig gerne gelesen, Bücher waren mein Rückzugsort, ich konnte mich stundenlang mit einem Käsebrot und einer Tasse Kakao in mein Zimmer verdrücken, war froh, wenn niemand etwas von mir wollte, denn dann konnte ich irgendwelche Abenteuergeschichten lesen. So mit neun oder zehn dachte ich, doch auch mal selbst etwas schreiben zu können. Kam dann aber nicht viel dabei heraus, es kreiste immer um Themen wie 'Ein Pferd allein in der Welt' oder 'Ein Mädchen allein in der Welt' oder beides.

Was war das erste was Sie je geschrieben haben? (Gedicht? Geschichte?..)

Tagebuch. Magere, uninspirierte Berichte von dem, was tagsüber so passiert ist. Die arteten dann aber schnell in irgendwelche Wunschgeschichten aus. Kleine Mini-Stories. Ich glaube, in der ersten, die länger war als eine halbe Seite, ging es darum, von zu Hause abzuhauen. Wie das wohl wäre, was ich machen würde, Klamotten einpacken, leise die Haustür hinter mir schließen, an der Straße stehen und per Anhalter in Richtung Süden fahren.

Ab wann wussten Sie, dass sie Autor(in) werden wollten?

So ab der Abi-Zeit. Ich dachte, entweder werde ich Ärztin oder Journalistin. Das mit dem Medizinstudium würde nichts werden, das war mir aber auch klar, denn Mathe und sonstiges hartes Faktenlernen waren eigentlich nicht meine Sache. Autorin von Literarischem bin ich dann allerdings erst sehr viel später geworden, zuvor gab es eine lange Reise als Redakteurin und Autorin von Reiseberichten und als selbstständige Texterin und Konzeptionerin.

Woher kommen Ihnen die Ideen für ihre Romane und Geschichten?

Dadurch, dass ich mich alleine herumtreibe, durch Städte oder in Landschaften. Genau hinschaue, meinen Gedanken freien Lauf lasse. Oft ist es nur etwas, das andere als Nebensächlichkeit bezeichnen würden, das mich auf Ideen bringt. Etwa ein Gespräch, das ich in einem Café am Nachbartisch höre, ein, zwei Zeilen, die ich lese, Fotografien, die ich sehe. Dann setzt sich in mir etwas in Bewegung, weil ich versuche, das eigentliche Thema des Ganzen zu erfassen und die Story weiterzuspinnen. Manchmal erzählen mir Freunde, was sie erlebt haben, irgendeine Anekdote, und sagen dann "das wäre eine tolle Geschichte, darüber musst du unbedingt was schreiben!" In den meisten Fällen finde ich zwar die Anekdote ganz nett, das Ganze jedoch als Thema uninteressant. Ich suche eher nach den Dingen unter der Oberfläche als nach dem Offensichtlichen.

Wo arbeiten Sie am liebsten? Und wann? (Abends, morgens ? Im Freien, Schreibtisch.. )

Gute Frage und gleichzeitig nicht ganz einfach zu beantworten. Mir fällt es schwer, in idyllischer Ruhe zu schreiben. Die Autorin an ihrem Schreibtisch, mit versonnenem Blick aus dem Fenster in einen blühenden Garten, das sind so Klischees, in denen ich nicht arbeiten kann. Ich schreibe gerne in Räumen, die für andere vielleicht stressig sind. In einem Café zum Beispiel. Ich kann auch in einer Hotelbar oder einer Bahnhofskneipe schreiben. Der Lärm und die Kulisse um mich herum zwingen mich dazu, mich dagegen abzuschotten. Ich sitze dann wie unter einer Glocke und kann wunderbar fokussieren. Zum Redigieren brauche ich allerdings Ruhe, dazu setze ich mich oft in Frankfurt in die Deutsche Nationalbibliothek. Zu Hause kann ich am besten frühmorgens oder spät abends schreiben, wenn alle anderen schlafen.

Wie lange brauchen Sie im Schnitt bis das Buch publiziert werden kann?

Für mein Debüt habe ich knapp anderthalb Jahre gebraucht, jetzt, an meinem zweiten Manuskript, werde ich länger arbeiten. Dabei gibt es aber auch Sachzwänge, die verhindern, dass ich durchgehend schreiben kann. Ich habe nämlich noch einen Brotjob, mit dem ich das Geld zum Leben verdienen muss.

Woher holen Sie sich Inspirationen, wenn Sie mal nicht mehr weiter wissen?

Durch Lesen. Manchmal sind es nur zwei, drei Zeilen in einem guten Roman, und mein eigener Motor springt an. Dabei geht es nicht um die Ideen anderer, sondern nur darum, dass mich das Gelesene in eine bestimmte Stimmung oder Schwingung, auf ein bestimmtes Sprachplateau versetzt. Das ist wie eine Initialzündung, ab dann geht meine eigene Fahrt weiter. Auch Fotografien oder Filme sind gut, ich bin ein sehr visuell denkender Mensch, ich brauche Bilder, um andere Bilder entwerfen zu können. Dazu zählt auch, ziellos durch die Stadt zu treiben, zu schauen, selbst zu fotografieren.

Verarbeiten Sie Erlebnisse aus Ihrem Leben bzw. Umfeld auch in den Büchern?

Ich denke, jeder Autor, jede Autorin macht das. Aber eher im Sinn von Erfahrungen. Ich muss nicht alles bis ins Kleinste selbst erlebt haben, worüber ich schreibe, aber ich muss die grundsätzliche Emotionalität kennen. Ich muss nicht boxen können, um zum Beispiel den Weg eines Boxers von der Kabine zum Ring zu beschreiben, aber ich muss dazu Gefühle wie existenzielle Angst und die Überwindung davon kennen. Und dann gibt es natürlich zahllose Mini-Episoden, die ich verwende, oft nur klitzekleine Ausschnitte von Gesehenem oder Gehörtem.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus? (Haben sie überhaupt einen?)

Ich versuche - versuche - diszipliniert zu sein. Dazu gehört auch, Trash auszuschalten. Abends RTL II gucken und morgens das Morgenmagazin auf irgendeinem Sender, das klappt nicht. Ich muss mich unbedingt ständig mit meinem Stoff gedanklich beschäftigen können, da darf dann nichts stören. Dazu gehört, morgens pünktlich aufzustehen und mich ohne Zwischenaufenthalt (außer Duschen und Zähneputzen), ohne Abrieb, an mein Manuskript zu setzen. An einem Tag schreibe ich, am nächsten redigiere ich das, was ich zuvor geschrieben habe. Manchmal sind es nur zwei Stunden, und ich bin leergeschrieben für den Moment, oft ist es aber auch eine Quälerei, vormittags und nachmittags.

Welche Medien, Seiten oder Bücher benutzen Sie für Recherchen?

Google und Google Maps. Oder auch die Deutsche Nationalbibliothek, dort bekommt man alle deutschen und deutschsprachigen Publikationen meist noch am selben Tag zur Verfügung gestellt.

Welche Tipps haben Sie für junge Autoren und für die, die es noch werden wollen?

Dran bleiben. Immer wieder versuchen, sich zu verbessern. Und vor allen Dingen nicht denken, nur weil die Freunde oder die Familie sagt, es sei toll, was man macht, ist auch wirklich schon ein Wunder geschehen. Stattdessen professionelle Kritik suchen, in einem guten Creative Writing-Kurs etwa. Und gute Bücher lesen.

Gibt es derzeit neue Projekte? Worauf dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Ich arbeite derzeit an einem Manuskript, das in der hessischen Provinz Ende der sechziger Jahre spielt. Dabei geht es um Aufbruchsstimmung, Sehnsucht - und um erstes Verliebt sein.


"Was verborgen bleibt" (Britta Boerdner)

Klapptext:
Es gibt ein Versprechen, abgegeben viele Jahre zuvor: Wer als Erster in der großen Stadt Fuß fasst, zieht den anderen nach. Nun ist sie ihrem Freund über den Ozean gefolgt, erst einmal auf Probe in die ferne Metropole. Was als Neuanfang gedacht war, stellt sich als der Beginn eines Abschieds heraus. Da sind Gregors Überstunden und die abendliche Beklommenheit, wenn beide in der Dunkelheit nebeneinanderliegen. Und die Katze im Innenhof, die er füttert, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Getrieben von ihrer Sehnsucht nach vertrautem Terrain, wandert die Erzählerin tagsüber durch die winterlichen Straßen, auf der Suche nach den Indizien der Liebe und der früheren Intimität. Szenen ihrer ersten Monate steigen in ihr auf, als das Spiel der Körper noch Grenzen zwischen ihnen aufzulösen schien und sie gemeinsamen Träumen nachhingen. 

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